Ein Frühstück ist eine unverfängliche Angelegenheit. Ansich. Also bis jetzt fand ich, dass ein Frühstück nicht mehr ist, als eine Notwendigkeit, sich mit Nährstoffen zu versorgen, die dann bis zum Mittag Energie liefern.
Es sei denn, man frühstückt auf eine Art, die so “verführerisch” ist, dass man Dinge tut, die man so nicht geplant hat. Und in solchen Fällen mündet ein Frühstück darin, dass man in ungeahnte Höhen emporsteigt, quasi über sich hinaus. Von Vorne:
Eigentlich hatte ich heute überhaupt keine Lust, zu frühstücken und glotzte gelangweilt in den Ei Pott; und genau diese vier Minuten reichten aus, um meine Stimmung kippen zu lassen.
Ja, es gibt Tage im Leben einer Frau, die sind eben so. Dann ist das Ei einfach zu hart!
Ich neige dazu, mir das Salz, das auf eben diesem Ei viel besser aufgehoben wäre, in Wunden zu streuen. Welche Wunde? Grübel-Wunden, Begrenzungs-Wunden, Angst-Wunden, Gedankenmuster-Wunden, fern von Liebe. Egal. Immer drauf.
Das Salz, das ich heute streute lautete: “Du scheinst heil zu sein, nicht zerrissen; aber das Schönste ist, dass du etwas in mir zum Klingen bringst. Ich weiß nicht, wie ich es anders sagen soll aber du berührst meine Seele.”
Dieser Satz einer ehemaligen Kollegin ließ alle Dämme brechen. Die Wunde brannte, der Fluss des Selbstmitleids stieg über seine Ufer, wohl in der Absicht, zu löschen, was zu löschen war.
Denn heute war ich alles andere als heil und so zerrissen wie ein Küchentuch der ersten Wisch-und-Weg-Generation.
Und dann hörte ich im Küchenradio einen Song, der mir sofort half, auf die Beine zu kommen. “Fame” Irene Cara, 1982.
Kurz darauf war ich unterwegs, fest verstöpselt mit Ohrhörern und dem Lied in der Wiederholungsschleife.
Fast 2,5 Stunden lief ich durch nasskalte Regen- und Graupelschauer, durch Schlammpfützen, in denen ich bis zum Knöchel versank, bergauf und bergab, Wind von der Seite und von vorn.
Und mit jedem gelaufenen Kilometer und jeder mit gegröhlten Liedzeile kam ich dem Punkt näher. Meinem Punkt!
Heute Abend kann ich sagen, “ja, ich scheine heil zu sein, nicht zerrissen; und das Schönste ist, das ICH etwas in mir zum Klingen gebracht habe, das ich heute Morgen nicht für möglich gehalten hätte”.
In diesem Sinne: Frühstück! Der Einstieg zu einem Lauf mit ungeahnten Höhepunkten!






