Posts tagged ‘Ewigkeit’

November 20th, 2011

Totentanz

by Christine

Heute ist Totensonntag. Ein sogenannter “stiller Gedenktag”. Gedacht wird der Toten an diesem kirchlichen Feiertag  seit 1816. Wer mehr darüber wissen möchte, klicke sich zu google, wiki & Co. .

Tod ist ein Thema, das mich jedes Jahr um diese Zeit im wahrsten Sinne des Wortes “heimsucht”. Der Tod ist mein täglicher Begleiter in dieser Zeit. Ich schaue ihm in die Augen, denn er denkt gar nicht daran, sich zu verstecken. Er zeigt sich deutlich in der Natur, er zeigt sich auf gut frequentierten Friedhöfen und in sprunghaft steigenden Suiziden.
Er ist mein und unser aller täglicher Begleiter. Es ist nicht populär, dieses Tabuthema an die Oberfläche zu ziehen oder sogar ein Tänzchen mit dem Tod zu wagen.

Ich tue das. Denn für mich hat der Tod nicht nur die Bedeutung, dass ein Lebewesen stirbt, sondern dass wir etwas sterben lassen und ganz bewusst dem Tod übergeben. Aus dem tiefen Wunsch heraus, dem Leben, dem Lebendigen, dem was wir von Herzen lieben Raum zu geben.
Dazu gehört, dass wir uns von dem, was schon längst abgestorben ist, trennen. Dass wir das, was nicht mehr zu uns passt in Dankbarkeit sterben lassen. Das können Glaubenssätze sein, das können Verhaltensmuster sein, das können Gefühle sein und auch Menschen, die uns manipulieren und mit ihren Verhaltensweisen “vergiften”. Sozusagen.

Der Tod als eine Geste des Loslassens öffnet neue Türen. Er schafft eine neue Basis. Der Tod ist ein Befreier! Er ist jemand, der mit der Wahrheit um sich schlägt, der uns ohne Pardon auch damit  konfrontiert, nicht in der eigenen Wahrheit, nicht mit dem Herzen gelebt und gehandelt zu haben. Der Tod macht tief traurig wenn wir ihn als endgültiges Ende betrachten und er bleibt für unseren menschlichen Verstand ein ungerechtes Mysterium.

Alles, was uns im Laufe unsere Lebens passiert, unsere Erfahrungen, unsere Begegnungen, unsere Lieben, bleiben als Erinnerung in unseren Zellen gespeichert. Und in unseren Seelen, die – je nach Glauben – die einzigen sind, die dem Tod den Mittelfinger zeigen.
Wenn auf Kosten des Lebendigen die Verletzungen und Schmerzen zu groß werden, wenn uns Lebensenergie in so hohem Ausmaß entzogen wird, dass wir nicht mehr bei “BeSinnung” und im Einklang sind, dann ist es Zeit für den Tod. Dann ist er ein Erlöser, der die Seele wieder atmen lässt.

Keineswegs will ich mit meinen Zeilen den Selbstmördern Mut machen, endlich zur Sache zu kommen. Selbstmord ist oft ein Akt der Feigheit und der Flucht! Bei allem Verständnis für Gefühle der absoluten Ausweglosigkeit, der abgrundtiefen Verzweiflung, der “Lebensmüdigkeit”, der unheilbaren Krankheit: Wir alle haben hier einen “Job”, eine Aufgabe zu erledigen. Das Leben hat einen Sinn!
Noch weniger möchte ich denjenigen, der  um einen geliebten Menschen trauert mit meinen Worten verletzen.
Einen geliebten Menschen an den Tod zu verlieren ist furchtbar.

Ich möchte Mut machen, den Tod einzubeziehen. Als entlastende Metapher! Als mutige Option. Als übergeordneten Sinn.

Der Totensonntag heißt auch Ewigkeitssonntag. Die liegende Acht, die Lemniskate, ist das Symbol für die Ewigkeit. Und im unendlichen Raum, in dem diese ewige Acht ihre Kreise zieht, können wir all das lassen, was nichts mit der wahren Liebe und mit unserem wahren Leben und UNS zu tun hat. Was das ist und wie das aussieht, entscheidet jeder für sich.

All das, was uns vom Leben und von der lebendigen Liebe trennt,  können wir dem Tod in dieser Zeit übergeben und unsere persönliche Trauer über das, was nicht mehr in unserem Leben ist, das, was gestorben ist, das, was wir schmerzhaft aber bewusst loslassen, feiern. Auch in Dankbarkeit, es, ihn oder sie in diesem Leben getroffen zu haben.

Tags: Ewigkeit Tod