Schon am Anfang, gleich nachdem ich das Rendezvous verabredet hatte spürte ich, dass irgendetwas nicht stimmt. Meine Intuition flüsterte mir eindringlich zu, es nicht zu tun. Doch mein Ego stand in Lichtgeschwindigkeit auf der Bühne, blies sich auf und übertönte den feinen Gesang meiner stets zuverlässigen und weisen Seelenstimme wie das Nebelhorn eines Atlantikkreuzers.
Meine innere Wahrheit ist zart aber beharrlich und hält immer eine Stecknadel in ihren feinen Gewändern versteckt, mit der sie dem prallen Egoballon früher oder später die Luft raus lässt.
Und genau das hat sie jetzt getan. Sie ist sehr mutig meine Intuition. Und das führte schließlich zu meiner Entscheidung und zu diesem offenen Abschiedsbrief.
Mein Lieber!
Damals, als wir uns das erste Mal trafen fand ich dich sehr faszinierend. Stark und unerschütterlich warst du einfach da. Nichts konnte dich aus der Ruhe bringen. Gar nichts. Du warst eine Herausforderung zum Verlieben! Und ich war nicht die einzige, die dich begehrte.
Doch meine Anstrengungen, dir nah zu kommen und noch weniger mein Ehrgeiz, dich irgendwie zu besiegen oder dir wenigstens ebenbürtig zu begegnen, gingen nicht auf.Ich habe versucht, mich dir locker und gelassen hinzugeben. Ich habe versucht, dich mit Humor zu nehmen, Schritt für Schritt für Schritt. Ich habe mit dir gekämpft und Tränen vergossen, dich angeschrien und versucht, dich und deine stoische Haltung mit Missachtung zu strafen. Und vor allem bin ich viele Jahre hinter dir her gelaufen, bis mir fast die Luft ausging!
Manchmal hatten wir beide richtig gute Phasen und ich dachte, wir würden es immer und immer wieder schaffen. Aber die meiste Zeit war es doch sehr anstrengend. Jedenfalls für mich.
Dir waren meine Zweifel und Krisen wahrscheinlich ziemlich schnuppe. Vielleicht dachtest du, dass ich es sowieso nicht schaffe, dir eines Tages lächelnd Lebwohl zu sagen. Du dachtest, mein Gefluche und meine Drohungen seien leeres Geschwätz. Und ich bin mir sicher, dass du es kaum bemerken wirst, dass ich nicht mehr da bin.Du bist, wie mir scheint, immer der geblieben, der du schon immer warst. Und ich vermute, du wirst auch noch sehr lange genau der bleiben, der du bist. Und, ganz ehrlich, das bewundere ich an dir. Ein bisschen jedenfalls.
Ich bin anders als du. Und obwohl ich inzwischen fit genug für dich bin und dir in Bestform, mental wie körperlich begegnen könnte, spüre ich klar und deutlich, dass ich mich weit von dir entfernt habe und mich immer weiter von dir und deinesgleichen entferne.
Weißt du, ich liebe manche deiner Teilstücke wirklich sehr. Du bist etwas ganz Besonderes.
Aber dein Schweigen, ganz ehrlich, das geht mir vollkommen auf die Nerven.
Und, bitte nimm es nicht persönlich, dass ich jede deiner Anstiege und Kurven voraussehen kann, langweilt mich und trübt die lustvolle Facette unserer Liäson bis zur Erblindung.Mich selbst überrascht es am meisten, dass ich das alles ohne Wehmut und Tränen einfach so schreiben und vor allem empfinden kann. Und auch wenn du das vielleicht anders siehst lass dir sagen: Ich liebe es, mich selbst zu überraschen! Denn das fühlt sich so herrlich lebendig an.
Lieber Hermann! Ich bin mir ganz sicher, dass nach mir noch viele kommen werden, um dich zu lieben, so wie du bist. In deiner ganzen wundervollen Herrlichkeit! Du bist ein Geschenk der Natur!
Ich danke dir, Hermann, für alles! Wir hatten schöne Zeiten. Aber schweigsamer Kampf und asketischer Wettkampf sind einfach nicht mehr mein Ding. Und, mit Verlaub, deine Länge entspricht nicht meiner Ausdauer!
Und so laufe ich, wie ich laufe und lebe, wie ich lebe und liebe wie ich liebe. Ab jetzt ohne dich.
Es ist nicht so, mein Lieber, dass ich dich nicht mehr liebe. Glaub das bitte nicht! Ich respektiere dich und ich finde, du bist ein echt attraktiver und anspruchsvoller Zeitgenosse, der es verdient hat, sich von seinesgleichen “belaufen” zu lassen.
Deine ChristineStartkarte Hermannslauf 2012 abzugeben. Bitte einfach Email oder kurz anrufen und die begehrte Startnummer ist deine!
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