All überall auf den Tannenspitzen, sehe ich Schmetterlinge sitzen. Merkwürdig, denn traditionell sollten es doch goldne Lichtsein sein, die mein Herz und Gemüt und viele andere Herzen und Gemüter adventlich erhellen und uns den Weg bis Weihnachten beleuchten und schließlich ins Neue, vielzitierte 2012 begleiten.
Der Mayakalender endet. Die Welt geht nicht unter. Doch es bleibt auch nichts wie es war. Nie. In keinem Zeitalter. Schon gar nicht in dem des Wassermanns.
Schmetterlinge im Dezember? Schmetterlinge im Dezember!
Meine fröhlichen Falter erscheinen in allen möglichen Formen und Farben und stehen mit ihrer Leucht- und Aussagekraft den “alten Lichtleins” in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Sie sind so wunderbar bunt und vielfältig und wehren sich nicht dagegen, bei Lichte betrachtet zu werden.
Annehmen statt wundern. Oder WunderVOLLES annehmen. Für jemanden, der viele Jahre als Raupe und fernab jeglicher spiritueller Ent-FALTUNG durchs Leben waberte ist das Annehmen von verstandesfernen Phänomenen kein einfaches Unterfangen. Ich zähle mich zu diesen Raupen mit Entfaltungsverweigerungstendenzen.
Und so war 2011 nicht nur für mich, sondern für viele andere Menschen ein Jahr der Aha-Erlebnisse. Eine Zeit, die persönlich und global teilweise brachial vor vollendete Tatsachen stellte, so meinen jedenfalls viele, die, so wie ich es einige Lebensjahre praktizierte, sich mit großer Vorliebe die Scheuklappen anlegen, die Ohren fest verstopfen und den Mund nur im Notfall aufmachen.
Ganz zu schweigen von denjenigen, die sich herzöffnenden Maßnahmen vehement verweigern, sobald sie ein zartes Klopfen spüren.
Sich zu zeigen, wie man ist, sich anzunehmen wie man ist, zum eigenen und zum Wohl anderer, wahrhaftig zu sein, aber eben auch die nicht so süßen Seiten von sich arglos anzuschauen, das macht unsicher und verletzbar und ist im mildesten Fall ungewohnt. Vielen von uns macht das Angst.
Und mir macht es auch ein mulmiges Gefühl, dass besagte Schmetterlinge sich gerade jetzt einstellen. Erst bei näherer Betrachtung wird der “Fall” klarer. Veränderung und Neues stellen sich nicht ein, wenn man in altbackener Starre auf stacheligen Zweigen abhängt und, obwohl es schon ganz schön piekst am Hintern, denselben doch nicht “hochkriegt” und auf vermeintliche Erleuchtung wartet bis einen der Tod – auch im übertragenen Sinne- dann wachschüttelt.
Da lasse ich mich doch lieber von ein paar Schmetterlinge im Dezember als Vorboten auf eine neue Phase, in der das Entweder-Oder zu Asche zerfällt, die zugunsten des Sowohl-Als-Auch nicht mehr länger angebetet wird, bezirzen.
Der Schmetterling ist ein Symbol der Transformation. Damit ist Veränderung gemeint, Umformung, Entwicklung neuer Strukturen und Formen. Es geht nicht um gut oder böse und die irrige Annahme, alles, was uns passiert und von uns als negativ, schmerzhaft und belastend oder gar existenzbedrohend empfunden wird, sei eine Strafe für irgendetwas, das wir irgendwann, in einem früheren Leben gar, falsch gemacht haben.
Der Schmetterling ist auch ein Symbol der Schönheit. Keiner allgemeingültigen, modischen und medienwirksamen Schönheit, sondern einer individuellen und liebevollen Art der achtsamen Selbstannahme, der Annahme dessen, was nun mal ist und der Bereitschaft, die Schönheit im Gegenüber zu erkennen, auch wenn unser Verstand motzt und zetert.
Und der Schmetterling stellt die Frage: In was möchte ich mich verwandeln?
Ich möchte mich in das Wesen verwandeln, das ich schon immer war. Ich wünsche mir, dass ich die Kraft, den Mut und die Ausdauer in mir finde, mich mir und meiner “Essenz” zu stellen und jedes andere Wesen in seiner Einmaligkeit zu erkennen und “es” einfach so zu lassen. Gelassen.
Ich möchte der Flügel eines großen Schmetterlings sein, dessen Pendant zu einem liebevollen und harmonischen Ganzen reift. Immer wieder. Zu meinem Wohl und somit zum Wohle aller. Und ich wünsche mir der heile und heilsame Schmetterling sein zu dürfen, der in heiterer Daseinsfreude durch die Freiheit flattert und ab und zu zu einem Lächeln inspiriert oder zu einem wilden Tanz der Schmetterlinge.
Mir zeigen sich derweil immer mehr Schmetterlinge, die den gleichen Wintertraum träumen. Und ich frage nicht mehr, warum sie das tun und warum mir auch sonst manches so komisch und merkwürdig und irgendwie bemerkenswert erscheint. Ich bin dankbar, dass die “geliebten Flatterviecher” meinen Bauch verschonen und mir stattdessen Weichmacher ins Herz pumpen und mir einen immer klarer werdenden Blick für das schenken, was ich für wesentlich halte, und dass sie mich auch mit gelassenem Humor nicht “verschonen”.
Und genau das wünsche ich euch allen für diese Adventszeit im Zeichen des Schmetterlings. Und für alle Zeiten, die danach anbrechen oder die schon längst angebrochen sind.
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