Ach herrje, was war das heute für ein schweres Anlaufen. Himmel, du Schweinehund, du hast dich um Kopf und Kragen argumentiert. Hast mein Kratzen im Hals zu einer drohenden Lungenentzündung aufgepustet, meine Unlust als schwere Herbstdepression deklariert, die nur noch mit Psychopillen zu lindern sei, mir weiß machen wollen, dass es das Beste sei, das Bett heute nicht zu verlassen und mir obendrein unter Androhung von Folter verboten, das Rollo hochzusziehen.
Tja. All deine Gruselszenarien und Gewaltdrohungen haben nicht geholfen, du kleiner Wicht! Drohe mir und ich werde zum Vulkan. Denn in meinem Team sind ein paar Figuren, die dich, du Schweinehund, locker platt machen, bevor du überhaupt deinen fetten Hintern … na, lassen wir das.
Ich habe meinen Lauf gemacht! So flott, dass ich schweißüberströmt und ziemlich kaputt nach 10 Kilometern in die Haustür und von dort direkt unter die Dusche torkelte.
Ob das meiner angeschlagenen Gesundheit nun zuträglich war werde ich morgen sehen und spüren. Klar ist jedenfalls, dass ich durchaus in der Lage bin, die zweite Hälfte des “Böckstiegel” ganz gut abzuspulen. Vielleicht klappt es ja mit einer Zeit um die zwei Stunden.
Da ich ohnehin im letzten Läuferdrittel die Ziellinie überqueren werde, spielen bei dem Lauf Minuten kaum eine Rolle.
Das jedenfalls, rede ich mir prophylaktisch ein.
Vorher steht noch ein 10-Kilometer-Lauf an, zu dem ich im Grunde überhaupt keine Lust habe! Die Distanz ist mir zu kurz, der Belag zu hart. Aber einmal will ich einfach dabei sein. Wahrscheinlich nur, um wieder festzustellen, dass ich ein plus 10 Läufer bin. Ein Waldläufer. Ein Laufschrat. Oder so. Jemand, der langsam in Fahrt kommt und dann nicht mehr aufhört.
Die Indizien? Der Hermannslauf mit seinen unverschämten Höhen, die sich auf ruppige 31,7 Kilometer verteilen, ist noch gut sieben Monate entfernt. Er ist der absolute Hammerlauf, der nicht nur mir viel abfordert. Er ist wunderschön, einmalig. Ich hasse ihn und ich liebe ihn. Er ist der einzige Lauf, für den ich eine derartige Leidenschaft hege.
Wenn ich an ihn denke, dann bekomme ich sofort ein Kribbeln. Geballte Vorfreude!
Alle anderen, außer vielleicht der Berlin-Marathon, sind nur Spielgesellen! Ich will doch nur spielen, du “Run and Roll” – Lauf, du “Sparkassenmarathon” und du kleiner “Böckstiegel”.
Und der erste Lauf danach, dürfte dann wohl ein “Easy-Jogg” im Central Park von New York sein.
03/09/2010 at 11:32 Permalink
Erst einmal muss ich dein Gedankenspiel für mich ordnen, um einen Überblick zu bekommen.
Die Sache mit dem sogenannten inneren …. weißt schon, das kannst du abhaken, vergiss ihn, lass ihn einfach außer Acht, dann kommt er auch nicht mehr, du musst ihn nur ignorieren – alles klar ? Und wie man dem nachfolgenden Text entnehmen kann, geht es dir so wie mir, ist der Motor erst mal warm, dann kann man ihn kaum noch bremsen.
Ob das nun wirklich gut war wegen deines gestrigen und wohl auch noch heute präsenten Halskratzens, das wage ich (tschuldigung !) zu bezweifeln, aber ich wünsche dir, dass dieser Lauf alles Böse von dir abgewendet habe !
Böckstiegl-Lauf – lustig, nach deinen Worten zu urteilen, handelt es sich wohl um einen Halbmarathon ! Vorher der Zehner – viel Spaß – solche Strecken laufe ich seit 100 Jahren nicht mehr, viel zu viel Stress – und überhaupt, darauf gehe ich jetzt und hier nicht ein !
Nimm es gelassen – lauf einfach
und bleibe gesund !
03/09/2010 at 13:12 Permalink
Liebe Margitta,

wenn ich nur daran denke, wie bei diesen 10-Km-Wettkämpfen mit den Hufen gescharrt wird, ernste Gesichter, “Fieberaugen” auf der Stoppuhr … ehrlich, am liebsten würde ich Lauf denselben sein lassen und ihn sein lassen. Aber: Er ist quasi ein Trostpflaster, ein lieb gemeintes Geschenk von meinem Mann.
Ich hatte in diesem Jahr am Tag des Hermannlaufes einen Migräneanfall. Es war schrecklich! Ich habe den ganzen Tag nur geheult und geschluchzt.
Als ich meinen Mann ins Ziel kommen sah, war das einerseits ein schönes Gefühl aber auch mit jeder Menge Wehmut verbunden. Ich fühlte mich so wund! Selbst jetzt könnte ich losheulen, wenn ich daran denke. Bekloppt, oder?
Schon einen Tag später meldete mein Lieblingsgatte mich zu etlichen “kleinen” Läufen an, die ich bisher auch mit Erfolg – sofern Zeiten eine Rolle spielen – gelaufen bin.
Doch gerade in den vergangenen Monaten hat sich meine Beziehung zum Laufen verändert. Der Kampfgeist schrumpft, die Läuferseele wächst. Du weißt, was ich meine.
Hier in der Gegend ist die Mehrzahl der Läufer absolut wettkampforientiert und sehr sehr ehrgeizig. Insbesondere Frauen meiner Altersklasse. Da wird mit Zahlen und Zeiten nur so um sich geschmissen.
Neulich waren wir auf einer “Läuferparty”. Alle, die wettkampforientiert laufen haben irgendein Zipperlein oder Schlimmeres: Achilles, Rücken, Kniee etc. Alle nehmen Schmerzmittel. Ich traute mich in der Runde anzumerken, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte, mal etwas Druck aus der Sache zu nehmen, vielleicht mal ein wettkampffreies Wochenende oder so, vielleicht mal eine Minute oder zwei langsamer … Oh lala. Kam nicht so gut an!
Jemand wie ich ist ein Außenseiter, der keine Zeiten vermelden kann, die vermeldenswert wären. Ich mag es, meine Grenzen zu testen – ab und zu. Ich möchte auch nach einer Zeit ins Ziel kommen, die ich mir vorgenommen habe. Aber ich laufe in erster Linie, um zu laufen, um zu leben, um zu mir zu kommen und um nicht mit 55 oder 60 in den obligatorischen Nicki-Hausanzug zu schlüpfen und mir Nachmittagssendungen im Fernsehen anzusehen, während ich mir meine unbeweglichen Glieder mit Rheumasalbe einschmiere …
Aus Sicht vieler anderer Menschen bin ich “anders”. Damit lebe ich schon mein ganzes Leben lang.
Ich wäre heute nicht gelaufen, wenn ich mich angeschlagen oder schlapp gefühlt hätte. Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor den möglichen Konsequenzen einer verschleppten Erkältung oder Grippe.
Die Umstellung von Sommer auf Herbst in dieser krassen Art und Weise kriecht mir in die Knochen und sicherlich auch in meine zuweilen zarte Psyche. Erklär einem Frühlingskind, warum Herbst und Winter ihre Daseinsberechtigung haben.
Ach ja, Gelassenheit! Ich arbeite rsp. meditiere daran rum.
LIebste Grüße an die Ostsee, Christine
03/09/2010 at 13:53 Permalink
Du schreibst das, was ich hier nicht weiter ausführen wollte, und sprichst mir damit aus der Seele.
Herausforderungen tun gut, wir brauchen sie für uns, nur für uns, die Freude im Zieleinlauf ist so tief, dass es dabei nicht darauf ankommt, ob du nun die Vierte oder die Zehnte oder gar die 1000. bist, die im Ziel ein läuft.
Auch ich bin anders, schon immer, stehe dazu lasse und ließ mich- auch in der Vergangenheit – von niemandem zu mehr Leistung zwingen, schon gar nicht von meiner vermeintlichen Konkurrenz, kenne ich nicht, ich habe keine Konkurrenz, ich laufe für MICH, nur für MICH ! Bist du dort angekommen, liebst du das Laufen um so mehr, weil du es bist, die darüber entscheidet.
Laufen lieben
Jeden Schritt genießen
sich darin finden
das entspannt
macht glücklich
und zufrieden