Archive for September, 2010

September 20th, 2010

Anti Aging?

by Christine

Zielgruppe sportlich, weiblich, bald 50 oder so und angenommen ahnungslos, was die Effizienz von Lauftraining angeht. Werbematerialien der Themen Inkontinenz und Hörschwäche kämen bei mir wesentlich besser an, denn davon habe ich (noch) keine Ahnung.
Anti Aging für das sportliche Mittelalter. Wie Steffen so richtig feststellte, ein Widerspruch in sich.
Trainieren wir angenommenen Alten also Intervalle, um unsere Ausdauer auszubauen.
Bisher dachte ich immer, Intervalle trainieren die Schnelligkeit. Doch wer weiß, Alter schützt vor Unwissen wenig. Und irgendwie: Geahnt hatte ich es ja schon ;-)  Und jetzt brate ich mir drei gut durchwachsene, panierte Schweineschnitzel, mache eine gebundene Sahnesoße dazu und glaube fest daran, dass das meine schlanke Silouette gezielt unterstützen wird.

Sehr geehrte Frau Jendrike,

Wir alle wissen: Ausdauer ist ein wichtiger Aspekt für fast jede Sportart. Nichtsdestotrotz wird sie häufig zu Gunsten von Techniktraining oder Kraftübungen vernachlässigt. Ein überaus effektives Training zur Steigerung der Ausdauer ist das Intervalltraining, das Sie vielleicht auch schon nutzen. Natürlich ist es kein Zaubermittel,  aber es kann die Laufökonomie erheblich verbessern.
Das ist für Sie vor allem wichtig, wenn Sie Ihre Leistung auch in einem höheren Alter beibehalten oder sogar nochmal steigern wollen. Schließlich wollen Sie konkurrenzfähig bleiben und Ihren jüngeren Mitsportlern in nichts Nachstehen.

Je älter ein Sportler ist, desto wichtiger wird es, Ausdauer und Fitness beizubehalten. Für diese ist ein regelmäßiges Intervalltraining unerlässlich. 


 

 

  
September 17th, 2010

I will survive. Phase III

by Christine

Foto: Foto Team Müller, run and roll Bielefeld, 12. Sept. 10

Ein Mann mit einem Hammer oder ähnlichem Gerät war weit und breit nicht zu entdecken. Ich sah mich um, suchte, denn schließlich hatten mir Läufer, die schon etliche Male die bezaubernde Distanz bewältigt hatten, die schauerlichen Hammermanngeschichten ausführlich und warnend geschildert.
Ich schüttelte den Kopf, verzog arrogant die Mundwinkel, brabbelte etwas wie “typisch, diese Wichtigtuer” und schlurfte ungehindert von irgendwelchen Werkzeugattacken weiter vor mich hin.
Das Schild mit dem Versprechen, dass ich jetzt 32 Kilometer gelaufen sei, kam in Sicht. Obwohl ich weder in der Lage war klar zu sehen, geschweige denn einen klaren Gedanken zu fassen, realisierte ich, dass ich in einer guten Stunden eigentlich im Ziel sein müsste. Eigentlich.
Noch zehn Kilometer. Also eine gute Stunde. So jedenfalls dachte ich Greenhorn, straffte die Schultern, schüttelte die Arme aus und lief einfach weiter wie bisher. Dachte ich.

Für die nächsten drei Kilometer brauchte ich fast 30 Minuten.

Er arbeitet nicht mit dem Hammer. Und er arbeitet auch nicht allein.
Gemeinsam mit seinen Helfern zog er einen Kreis um mich. Es wurde immer enger um mich herum und in mir drin. Meine Knie wurden weich und mein Magen fing an zu rumoren.
Er ist ein Betäuber, ein Giftspritzer.
Mitten hinein in meine zunehmende Notlage gellte plötzlich ein Schrei. ” Hau ab, du Arschloch! Verzieh dich. Du bist das Allerletzte, du bist ein jämmerlicher, kleiner Wurm.”
Erst als mich ein Mitläufer freundlich ansprach und mich leicht am Arm berührte merkte ich, dass ich so gebrüllt hatte.
“Was raus muss, muss raus,” sagte der nette Typ neben mir. “Komm, wir laufen noch ein bißchen.”
Wie ich es schaffte, die Rheinbrücke zu erreichen, weiß ich nicht mehr. Es war nicht mehr mein Körper, der die letzten zweieinhalb Kilometer Richtung Ziel lief.
Als das Schild mit der 40 schemenhaft auftauche war in mir nur noch pure, wunde Emotion. Ich nahm meine ganze Restkraft zusammen, um nicht loszuheulen, denn dann wäre der Marathon bei Kilometer 40 für mich vorbei gewesen.

Da war so viel Stolz. Ich glaube, ich habe das erste Mal überhaupt Stolz für mich selbst gespürt.  Die Erschöpfung  ließ Platz für die Überraschung, selbst so eine Leistung bringen zu können.  Ich war weich wie Butter, mein Herz offen wie ein Scheunentor zur Erntezeit. Dieses Gefühl tiefster Freude ist einfach unglaublich.

Bloß jetzt nicht heulen!
Ich wusste, dass mein Mann mich nicht im Ziel erwarten würde. Wir hatten verabredet, uns im Hotel zu treffen. Er war seit mindestens 40 Minuten im Ziel.
 Bei dem Gedanken, dass mich niemand erwarten würde, nahm die “Heultendenz” rapide zu. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, fix und fertig, fast blind vor Erschöpfung und gebadet in Glückseligkeit! Merkwürdige Mischung.

Und dann kam sie mir entgegen. Meine kleine Schwester!
Ihren Halbmarathon musste sie schon vor Stunden beendet haben. Ich war davon ausgegangen, dass ich auch sie im Hotel treffe.
Sie lief mit mir bis ins Ziel und mir liefen die Tränen. Unaufhaltsam. Ich schluchzte weil es einfach so schrecklich und so wunderschön war.
Später erzählte sie mir, ich hätte immer nur gesagt: “Nie wieder. Nie wieder laufe ich Marathon.”

Nach 5 Stunden und 7 Minuten hatte ich meinen ersten Marathon bewältigt.
Schon auf dem Weg zum Hotel nahm ich mir vor, den nächsten auf jeden Fall unter 5 zu laufen.

Da wußte ich natürlich noch nicht, dass ich ein Jahr später kurz vor Erreichen des Brandenburger Tores geschlagene 10 Minuten auf einem “Stillen Örtchen” mit Magenkrämpfen und sonstigem Gedöns verbringen würde.

Was blieb und nicht an Präsenz verlor,  ist eine innere Kraft,Vertrauen in mich selbst und eine Spur von Gelassenheit.
Und: Nach dem Lauf ist vor dem Lauf! Immer wieder. Leben spüren pur. Möglichst bis zum allerletzten Lauf!

Tags: Laufen Liebe