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August 3rd, 2010

Meine Huendin laeuft nicht. Sie denkt!

by Christine

Sobald ich im Schlafzimmer verschwinde, um mich umzuziehen, bereitet sich meine Hündin auf  ihre Flucht in den Keller vor. Sie scheint noch abzuwägen, ob ich wirklich im Laufdress herauskomme. Spätestens, wenn ich mich auf die Treppe setze und meine Laufschuhe schnüre, prescht sie im Spurt die Treppe hinunter und verkriecht sich in ihrem Versteck. Dort, wo sie ihre Schätze, wie Quarkbecher und Knochen hortet, fühlt sie sich sicher vor der  Marter Laufen!

Janne ist mit dem Schnüffel- und Ultrakurz-Sprintgen ausgestattet. Lange Läufe sind ihr ein Grauen! Mit gesenktem Kopf, eingezogener Rute und einem erbarmungswürdigen Hundeblick lässt sie sich zwar aus ihrem Versteck unter der Treppe hervor ziehen. Aber sie verweigert jedes noch so leckere Lockmittel mit stoischem Hundestolz.
Ich habe versucht, sie zu einem Laufhund zu machen. Mit Leckerli in jeder verfügbaren Stofffalte meiner Laufhosen und -shirts vollgestopft, belohnte ich jeden bei Fuß gelaufenen Schritt. Doch spätestens nach Kilometer 6 und bis dahin 10 Vollbremsungen, weil es etwas total Aufregendes zu erschnüffeln galt, legte meine Hündin sich regelmäßig hin, um kurz darauf allein den Heimweg anzutreten.
Meine Hündin läuft nicht, sie denkt! Ich weiß das schon lange, doch jetzt ist es wissenschaftlich belegt und  rehabilitiert mich von meinem Image als weichherzige Spinnerin, die ihre Hündin viel zu sehr als Mensch behandelt.
Der Mensch ist eben nicht die denkende Krone der Schöpfung. Und mit Verlaub: Bei mir und bei so manch anderem setzt das Denken weder im richtigen Moment ein noch hält es sich im falschen zurück.
Insofern fühle ich mich meiner Hündin komplett unterlegen. Schließlich denkt sie eindeutiger und klarer und handelt konsequent danach. Sie weiß, was ihr guttut. Und das ist nun mal nicht, kilometerweit durch die Pampa zu rennen!
Und ganz ehlich: Ich laufe viel lieber allein. Ohne Hund, ohne Mensch, einfach nur mit mir. Manchmal mit vielen Gedanken, manchmal mit wenigen und ab und zu mit den magischen Momenten des gedankenlosen All-ein-seins.

Und wenn ich von einem langen Lauf zur Haustür hereinkomme kann ich sicher sein, dass ich mit ungebremster Hundefreude empfangen werde. Denn sie hat an mich gedacht, meine Hündin! Sie läuft nicht, sie denkt.

Tags: Laufen