
Foto: privat
Das Risiko, beim diesjährigen Hermann nicht an den Start gehen zu können, stieg bereits Mitte der Woche, als die Temperaturen begannen, nach oben zu klettern. Mein Kopf fing an zu hämmern und die letzten lockeren Runden fielen dem Kopfschmerz zum Opfer.
Am Freitag ging es dann rapide bergab mit meiner Gesundheit und ich verbrachte den Tag mit kühlenden Umschlägen und einem Eimer neben dem Bett im Halbdunkel meines Schlafzimmers.
Am Samstagmorgen sah die Welt schon wieder viel besser aus und ich war mir sicher, dass ich es nach einer weiteren regenerierenden Nacht durchaus wagen könnte, an den Start zu gehen.
Doch die Nacht war nicht auf meiner Seite, ein weiterer Migräneanfall folgte. Trotzdem dachte ich in meinen Schmerz hinein, dass ich, wenn ich am nächsten Morgen in der Lage sein würde, aufrecht zu stehen ohne das Gefühl von Pudding in den Knien zu haben, an den Start gehen zu können.
Nein. Auch der frühe Morgen des Hermannslauftages begann mit hämmernden und bohrenden Schmerzen, die jedem noch so starken Schmerzmittel die Stirn boten.
Der Hermann ist ein anspruchvoller Lauf. Er fordert jede Menge Kraft und Biss. Er tut zuweilen richtig weh und zwingt in die Knie. Und trotzdem: Als ich mit meinen Kopfschmerzen an der Promenade stand und die Läufer des Mittelfeldes, also diejenigen, die um die drei bis dreienhalb Stunden auf der Uhr und in den Knochen haben, wenn die Zuschauer sie auf den letzten 700 Metern in Empfang nehmen sah, heulte ich wie ein Schlosshund. Und ich hatte Sehnsucht nach genau diesem Gefühl. Dieser Mischung aus Stolz, Erschöpfung und Schmerz.
Heute, am Montag danach, dem Tag, an dem auch die anderen, die “wollten-und-nicht-konnten” ihre Wunden lecken, wird mir klar, wie leidenschaftlich ich am Laufen hänge.
Und das ist eine schöne Erkenntnis!
Nach dem Hermann ist vor dem Hermann. Ob es, er, sie nun lief oder ging oder zusehen musste.
Es geht wieder los. Und vielleicht brauchte es diese schmerzliche Erfahrung, um den wahren Wert der Dinge, die am Herzen liegen, wieder zu erkennen und neu schätzen zu lernen.
“Man muss ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.” (Ernst Bloch)
In diesem Sinne: Der Trainigsplan für die kommenden sechs Monate ist geschrieben und neue Ziele in Angriff genommen. Der Hermann 2011 in seiner vierzigsten Auflage kann also kommen.







