Was war das für eine Hitze in den letzten zweieinhalb Tagen! Unerträgliche 38 bis 39 Grad. An Laufen war überhaupt nicht zu denken.
Nein, ich schreibe hier nicht über das Wetter in Zentralafrika, sondern über meinen Zustand.
Heute ist der erste fieberfreie Tag. Und meine Versuche, das Bett zu verlassen sind geglückt. Sogar die Treppe in das untere Geschoss habe ich bewältigt. Einmal hinunter und wieder hinauf, vorbei an den drei Paar Laufschuhen, die zwischen Stufe eins und drei geduldig darauf warten, wieder zum Einsatz zu kommen und von der Staubschicht befreit zu werden.
Im Bett ist es immer noch am schönsten und nach einer Anstrengung von insgesamt 30 Treppenstufen, die sich anfühlt, als sei ich 15 Kilometer bergauf gelaufen, bedarf es einer Stärkung: Schlückchen Malzbier und drei Salzstangen.
Ehrlich gesagt nehme ich es meinem Körper etwas übel, dass er ausgerechnet zu einem Zeitpunkt in den Zwagsruhemodus geht, an dem ich in das volle, pralle Läuferleben einsteigen wollte.
Und wie es so meine Art ist, frage ich meine schmerzenden Glieder und rumorenden Organe, was sie von mir wollen. Ich bin nicht gerade freundlich, das gebe ich zu. Aber sie sind es schließlich auch nicht.
Die einzige Antwort, die ich bekomme ist: Ruh dich aus!
Aber wovon denn? frage ich verzweifelt. Ich bin doch gar nicht viel gelaufen, ich war doch vorsichtig, habe geschont, mich ausgeruht …
Ja, aber, antwortet mein Körper, anstatt zu laufen, hast du deinen Kopf vollgestopft mit Neuem. Immer mehr, immer noch etwas, immer hinein.
Wer, liebe Christine, soll solche Mengen von Input in so kurzer Zeit verdauen? Du hast merkwürdige Dinge gegessen, viel zu viel Kaffee getrunken und dich nicht darum geschert, was dir wirklich gut tut. Ja, wärst du mehr gelaufen, wäre das gut gewesen – für die Verdauung.
Bis du aber nicht. Also, verdauen wir jetzt gemeinsam und spüren mal nach, was du und wir wirklich brauchen … an Nahrhaftem, gell?
Ich atme tief durch und denke an den morgigen Geburtstag meines verehelichten Mitbewohners und die Marzipantorte, dich ich beim Konditor meines Vertrauens zu diesem besonderen Anlass geordert habe … und mein Bauch beginnt drohend zu grummeln.Also gebe ich mich hin, nehme an, was ist, ruhe mich aus, lasse verdrecktes Haus verdrecktes Haus sein, den leeren Kühlschrank leer und den Wäschekeller voll und verdaue, was zu verdauen ist.
Das Laufen macht den Kopf frei, stärkt das Herz und bringt alles, was uns beschäftigt, positiv wie belastend, ins Gleichgewicht. War ich nicht diejenige, die mit derartigen Predigten hunderte von Blogseiten füllte?Ja, die war ich und die bin ich immer noch. Was für ein Glück, flüstert mein Ernst des Lebens und zwickt mich mit Schabernack im Blick in die blasse Wange. Das wird schon wieder, Christine, bald schmeißt du den Propeller wieder an und fliegst ne Runde durch den Teuto. Wie in alten Zeiten.
